Titelbild Atemschutzunfaelle.eu

Unfälle in Europa im Jahr 2012

(Mindestens 95 verletzte FA)

Hinweis: in der Statistik sind auch Unfälle enthalten die bisher nicht veröffentlicht wurden. Daher kann es vorkommen, dass die Gesamtzahl der betroffenen FA die Summe der in den Berichten erwähnten übersteigt.


- Wohnungsbrand mit Menschenrettung - Hitzestrahlung - ein Verletzter

Beschädigte Schutzkleidung (gz) Landeck (Österreich). Exakt um 20:23 Uhr wurde in Landeck Feueralarm ausgelöst. Die Feuerwehr Landeck fuhr mit 11 Fahrzeugen und 68 Mann zum Einsatz "Wohnungsbrand im 3. Stock". Bereits bei der Anfahrt zeigte sich, dass die Wohnung in Vollbrand stand und das Feuer bereits auf die darüberliegende Wohnung über den Balkon übergreift. Während die Drehleiter mit den anderen Fahrzeugen in Stellungs gebracht wurde, wurde eine zweite Drehleiter über die Leitstelle Tirol zur Menschenrettung angefordert. Die ausgerüsteten Atemschutztrupps drangen über das Stiegenhaus auf der Ostseite des Gebäudes zur Menschrettung und zum Löscheinsatz ein und die Mannschaft der Drehleiter kümmerte sich auf der Westseite um die Eingeschlossenen im vierten und fünften Stockwerk bzw. den weiteren Löscheinsatz. Die alarmierte Drehleiter der FF Imst (mit TLF und Pumpe) übernahm nach dem Eintreffen zur Unterstützung mit 16 Mann die Menschenrettung der eingeschlossenen Personen auf der Ostseite. Einige Personen konnten nur mit Hilfe von Fluchtmasken gerettet und über das Stiegenhaus bzw. die Drehleiter in Sicherheit gebracht werden. Zum letzten Einschlossenen, der in der Wohnung über dem Brandherd wohnte, wurde über das Mobiltelefon seines Sohnes Kontakt gehalten. Die Feuerwehr gab über das Telefon erste Anweisungen bzw. versuchte ihn zu beruhigen. Aufgrund der großen Hitze und der starken Rauchentwicklung konnte er erst nach einiger Zeit mit Hilfe einer "Fluchtmaske" von einem Atemschutztrupp gerettet werden. Nach ca. einer halben Stunde konnte davon ausgegangen werden, dass alle Bewohner in den darüberliegenden Wohnungen in Sicherheit waren. Insgesamt waren 19 Atemschutztrupps (zu je drei Mann) im Einsatz. Das Haus wurde nach dem Brand aufgrund der Beschädigungen an der Elektrik und dem fehlenden - durch das Feuer zerstörte - Geländer im Stiegenhaus gesperrt.

Beschädigter Atemanschluss und PA Beschädigter Nackenschutz am Helm Das Feuer entwickelte sich auch auf das Stiegenhaus und ein Feuerwehrmann erlitt aufgrund der großen Hitzeentwicklung trotz der Schutzausrüstung leichte Verbrennungen. Er wurde vom Roten Kreuz Landeck in das Krankenhaus Zams gebracht.

Vermutungen des Kommandanten:

Es wurden ältere Schutzjacken (PU mit Nomexgewebe) getragen. Ein Problem könnten die Nahtstellen an den Ärmeln gewesen sein. Die PU-Schicht wurde zerstört, das innere Nomexgewebe hätte jedoch standgehalten. Aber: Bei den Nahtstellen vom Torso zum Ärmel sind diese aufgegangen und haben die Hitzestrahlung durchgelassen. Noch schlimmere Verbrennung hat vermutlich der - unter der Jacke getragene - Einsatzoverall verhindert. Dieser hat der Hitze standgehalten. Mit dem Umstellungsprozess auf die neuen Schutzjacken hat die Feuerwehr Landeck im November 2011 begonnen.

Quelle: Feuerwehr Landeck

- Küchenbrand mit Menschenrettung - ein verletzter Feuerwehrmann

Einsatzstelle (bl) Groß-Zimmern (Hessen). Beim Eintreffen der ersten Fahrzeuge wurde eine Rauchentwicklung festgestellt, eine Person rief an einem Fenster im Dachgeschoss um Hilfe – hinter ihr war ein leichter Feuerschein wahrnehmbar. Der Angriffstrupp ging über den Treppenraum vor und wollte die Rettung über eine DLK einleiten. Da sich das Fenster nicht problemlos öffnen ließ, die Drehleiter noch nicht in Stellung war und die Person kollabierte, entschied sich der Trupp für eine Sofortrettung über den Treppenraum. Hierzu musste die Person am Brandherd vorbeigeführt werden. Ein Mitglied aus dem Angriffstrupp löste auf halber Wegstrecke seinen Lungenautomaten und versorgte die Patienten für einen Moment mit frischer Luft. Die junge Frau kam wieder zu sich und konnte die Rettung wesentlich erleichtern. Während der Luftversorgung inhalierte der Retter Rauch und erlitt eine leichte Rauchvergiftung. Die Patientin wurde mit einer starken Rauchgasintoxikation unter notärztlicher Begleitung in das Druckkammerzentrum Wiesbaden gebracht.

Quelle: Feuerwehr Groß-Zimmern

- Großeinsatz nach Ammoniak-Austritt - 39 verletzte Kollegen

(gz) Wien (Österreich): Großeinsatz nach Ammoniak-Austritt, insgesamt 62 Leichtverletzte. Wiener Feuerwehr und Polizei evakuierten Gelände – zahlreiche Leichtverletzte vor allem bei den Einsatzkräften. Aus derzeit ungeklärter Ursache ist gegen 18 Uhr ein Leck in einer Großkühlanlage am Franzosengraben aufgetreten, wodurch Ammoniak ausgetreten ist. Der Bereich um das Betriebsgelände wurde von der Wiener Feuerwehr und der Polizei großräumig abgesperrt, Personen aus dem Gefahrenbereich evakuiert. Die Wiener Rettung rückte mit dem gesamten Katastrophenzug aus. Die Feuerwehr erhöhte die Alarmstufe auf zwei. Die Zahl der kolportierten Leichtverletzten hat sich noch erhöht: Insgesamt 62 Personen wurden nach abschließenden Angaben der Wiener Rettung leicht verletzt, 50 mussten zur Überwachung die Nacht in Spitälern verbringen, 12 wurden vor Ort behandelt. Der Großteil der Verletzten gehörte zu den Einsatzkräften: 39 Feuerwehrleute und 5 Rettungssanitäter waren betroffen. Davon mussten 32 Feuerwehrmänner und 4 Sanitäter in Spitalsbehandlung. In Zusammenarbeit mit Technikern des Betriebes konnte das Leck gegen 21.00 Uhr abgedichtet werden. Außerhalb des Absperrbereiches bestand keine Gefährdung, jedoch eine Geruchsbelästigung. Im Zuge der Maßnahmen war es zu umfangreichen Straßensperren gekommen. Kurzzeitig musste der Betrieb der Linie U3 in den betroffenen Stationen Erdberg und Gasometer eingestellt werden. Der Feuerwehr-Einsatz endete um 2.37 Uhr.

Quelle und Bilder: Wien.gv.at und wax.at

- Feuer in Mehrfamilienhaus - 1 verletzter FA

(tk/reb) Bad Harzburg (Niedersachsen). Zu einem Brandeinsatz wurde die Feuerwehr Bad Harzburg um 06:23 Uhr alarmiert. Bei diesem Großfeuer wurden insgesamt neun Menschen aus dem lichterloh brennenden Gebäude, die zum Großteil unter akuter Lebensgefahr schwebten, von der Feuerwehr gerettet.

Bei dem Brandobjekt handelte es sich um ein Gebäude aus den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts, das aus 2 Vollgeschossen sowie ausgebautem Dach- und Spitzboden bestand. Beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte standen bereits mehrere Personen an den Fenstern und auf den Dachflächen. Die Menschenrettung erfolgte über Drehleitern und tragbare Leitern. Bereits zu Einsatzbeginn war ein Vorgehen über den Treppenraum ins Obergeschoss nicht mehr möglich. Ein FA wurde durch herabfallende Trümmerteile leicht an der Schulter verletzt. 4 verletzte Bewohner wurden ins Krankenhaus eingeliefert.

Die Feuerwehr Bad Harzburg hat den Einsatz analysiert und in einem Abschlussbericht zusammengefasst.

Quelle: Feuerwehr Bad Harzburg

- Brand einer Gartenlaube - Druckgefäßzerknall - zwei verletzte FA

(bl) Dortmund (NRW). Kurz nach 3:00 Uhr musste die Feuerwehr zu einer brennenden Gartenlaube ausrücken. Als wenige Minuten nach der Alarmierung die ersten Einsatzkräfte eintrafen stand die Gartenlaube bereits im Vollbrand. Durch die zügig eingeleitete Brandbekämpfung konnte ein Übergreifen der Flammen auf weitere Gartenlauben verhindert werden. Da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass sich in dem Gebäude Gasflaschen befinden, wurde der Löschangriff von außen durchgeführt. Als die Eigentümer eintrafen, bestätigten sie dem Einsatzleiter diese Vermutung. Nach ungefähr 20 Minuten, als zwei Feuerwehrleute letzte Flammen unter dem Schutz der massiven Außenwand ablöschten, kam es zu einem Druckgefäßzerknall, durch den die Mauer einstürzte. Ein Feuerwehrmann wurde dabei durch umherfliegende Teile am Bein verletzt, sein Kollege erlitt ein Knalltrauma. Beide wurden von einem Notarzt versorgt und zur weiteren Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht.

Quelle: Pressestelle der Feuerwehr Dortmund